Impulse

Auf dieser Seite werden Impulse rund um den MBK geteilt.

Diese Impulse sind Gedankenanstöße von MBKler*innen, die im Rahmen einer Freizeit, des Newsletters, Freundesbriefes, etc formuliert wurden.

Wenn Sie/Du auch etwas beitragen möchten/möchtest, freuen wir uns sehr.

Viel Freude beim Lesen!

Engel..

von Johannes Büker, aus der Donnerstags-Andacht

 

Engel..
Woran denkt ihr bei dem Wort Engel? Was oder vielleicht auch wer ist das für euch?

Ihr könnt gerne etwas dazu sagen..

Ich für mich habe garkein so präzises Bild von Engeln. Ich bin meist einfach geflasht von der biblischen Vielfalt und was es da alles an „himmlischen Geflügel“ so gibt.

Da sind die Mächtigen Cherubim, die am Garten Eden mit ihren Flammenschwertern wache stehen, damit niemand hineinkommt. Da sind die Vielflügeligen Schlangen, die Serafim, die im Himmel um Gottes Thron schweben. Da sind die Elohim, die Völkerengel, die in Gottes Rat sitzen und ihre Völker oder Gemeinden vor ihm vertreten und natürlich ist da der erste Engel, Satan, der Sohn der Morgenröte, der Gefallene und Ankläger der Menschen. Da sind Michael, Gabriel und die anderen Erzengel und natürlich Alan Rickman, als der Metatron, das Sprachrohr und die Stimme Gottes (Für diejenigen, die Dogma kennen).

Aber da sind auch die anderen. Die Männer ohne Flügel, die bescheidenen Wanderer, die Abram bei Mamre zu sich einlädt und die ihm wunderbare Nachricht bringen: Nämlich, dass seine Frau schwanger und er auch noch Vater wird.

Da ist die überraschte und vermutlich überforderte Maria mit dem nicht weniger überforderten und verwirrten Josef, denen von einem netten Boten gesagt wird: Es hat alles so seine Richtigkeit, macht euch keine Sorgen, dass soll alles so passieren.

Und da sind die Frauen am Grab Jesu, die ersten denen die frohe Botschaft von dessen Auferstehung gesagt wird – von einem weiß angezogenen jungen Mann.

Ihr seht, es müssen garnicht immer Männer mit Flügeln sein..

Lied 1. Strophe

(Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein,
die Engel.
Sie gehen leise, sie müssen nicht schrei'n,
oft sind sie alt und hässlich und klein,
die Engel.)

2. Sie haben kein Schwert, kein weißes Gewand,
die Engel.
Vielleicht ist einer, der gibt dir die Hand
oder er wohnt neben dir, Wand an Wand,
der Engel.

3. Dem Hungernden hat er das Brot gebracht,
der Engel.
Dem Kranken hat er das Bett gemacht,
er hört, wenn du ihn rufst in der Nacht,
der Engel.

4. Er steht im Weg und sagt: Nein,
der Engel,
groß wie ein Pfahl und hart wie ein Stein -
es müssen nicht Männer mit Flügeln sein,
die Engel.

 

Ich habe die Andacht mit einer Frage begonnen und ich möchte mit zwei Fragen aufhören:
Wer war das letzte mal für dich (wie) ein Engel?
Und genauso interessant: Wem warst du zuletzt ein Engel?
PS: Angelos heißt eigentlich nur (Post)Bote.

Eine nichtjüdische Frau vertraut Jesus (Mk 7,24-30

von Katja Demma'Indo, aus dem MeetMeMonday-Teamtreff

 

Die Heilung der Tochter der syrophönizischen Frau (MK, 7, 24-30)

Was denkt ihr über Brotkrümel?

-          Fallen mir immer vom Tisch. Leider frisst die Katze sie nicht, so dass ich es aufsaugen muss.

-          Ich frühstücke nicht gerne im Bett, weil ich es nicht mag, auf den Brotkrümeln zu liegen.

-          Mit Brotkrümeln kann man auch Semmelknödel machen, aber lieber nicht mit denen vom Boden.

-          Von Brotkrümeln wird man nicht satt, es sei denn, man isst eine ganze Menge davon.

Ich habe mir vorgenommen, mehr über Jesus zu lesen, weil ich finde, dass ich viel zu wenig über ihn weiß. Angefangen habe ich mit dem Markus-Evangelium, weil es das kürzeste ist.

Außerdem ist dieses Evangelium gerade Inhalt der Bibellesehilfe, die ich nutze. Und für heute geht es um eine brotkrümelessende Frau mit einer psychisch kranken Tochter. Und zwar war es so, dass Jesus in eine Gegend von Israel ging, in der viele Griechen lebten, also Leute, die nicht zu den Juden gehörten und darum einfach nicht zu der auserwählten Riege des Gottesvolkes.  Dort wollte Jesus seine Ruhe haben und sich zurückziehen. Das klappte leider nicht wie geplant, denn eine Frau bekam mit, dass Jesus in der Gegend war und sie kam zu ihm und fiel ihm vor die Füße. Allein das ist schon ein Unding: Eine ausländische Person kommt Jesus so nahe und dazu noch eine Frau. Das können wir in unserem Kulturkreis nicht mehr so gut nachvollziehen, aber auch ich kenne das ungenehme Gefühl, wenn sich mir eine fremde Person unangemessen nähert. Allerdings bin ich ja auch nicht Jesus, darum erstaunt dessen Reaktion auf die Bitte der Frau schon ziemlich. Denn sie möchte, dass Jesus ihr hilft und ihre Tochter von einem bösen Geist befreit. Heutzutage würden wir wohl von einer psychischen Erkrankung sprechen, möglicherweise eine Epilepsie, aber vielleicht war sie auch einfach nur mitten in der Pubertät. Wie auch immer, das Mädchen und ihre Mutter brauchten Hilfe und wer wäre da nicht besser geeignet als Jesus höchstpersönlich? Wir können uns vielleicht vorstellen, dass die beiden es nicht einfach gehabt haben. Die Nachbarn werden über sie gesprochen haben: Was ist bei denen los? Was stimmt da nicht? Wer ist denn schuld an dem merkwürdigen Zustand der Tochter? Und überhaupt? Wo ist denn der Vater in der Geschichte? Sehr merkwürdig. Das sind ja keine Gedanken, die sich nur vor 2.000 Jahren stellten, das ist hochaktuell, gerade in Coronazeiten.

Jesus stellt all diese Fragen nicht. Er fragt nicht nach der Schuld. Er fragt nicht, was das Mädchen denn nun eigentlich hat. Er fragt nicht nach der Familiengeschichte. Er fragt nicht nach dem Vater oder anderen Familienangehörigen.

Stattdessen gibt er der Frau zu verstehen, dass er mit dem Ganzen nichts zu tun hat und es nicht sein Job ist, der Frau und ihrer Tochter zu helfen. Kaum zu glauben, aber wahr, denn er sagt: »Lass zuerst die Kinder satt werden. Es ist nicht richtig, den Kindern das Brot wegzunehmen und es den Hunden vorzuwerfen.«

Da denkt man doch, man hätte sich verhört. Sowas von Jesus? Das kann doch einfach nicht sein. So kenne ich ihn nicht. So will ich ihn auch nicht. Irgendwas stimmt doch da nicht. Empörung macht sich in mir breit. Die Frau, die eh schon am untersten Ende der Nahrungskette steht, wird nun so abgespeist. Nur lässt sie sich nicht abspeisen, zumindest nicht so. Eine ganz erstaunliche, mutige, toughe Frau. Denn sie antwortet: »Herr! Aber unter dem Tisch fressen auch die Hunde von den Krümeln der Kinder.«

Die Frau kennt ihren Platz. Sie weiß, dass sie nicht dazu gehört. Ihr ist bewusst, dass Jesus Jude ist und er in seiner Tradition lebt, dass er sich an die Gesetze hält. Sie weiß um die kulturelle, religiöse und gesellschaftliche Distanz zwischen sich selber und ihm. Ein Kontakt ist einfach nicht angemessen. Und sie wagt es trotzdem. Und das finde ich ungeheuer beeindruckend.

Und das stellt meine Haltung auf jeden Fall in Frage, so dass ich mich frage:

Was wage ich eigentlich? Wie hartnäckig bin ich in meinem Bitten gegenüber Jesus? Was erwarte ich von ihm?

Die Frau will zumindest die Brotkrümel haben. Mit Nichts lässt sie sich nicht abspeisen. Sie erwartet nicht den Hauptgewinn, aber sie erwartet, dass ihr Jesus in ihrer aktuellen schweren Situation hilft, wie auch immer er das anstellt. Das fordert sie ein, da ist sie hartnäckig. Das beeindruckt mich. Sie ist clever, initiativ und sehr unerschrocken.

Und auch Jesus ist beeindruckt und sagt (vielleicht mit einem anerkennenden Schmunzeln): »Wegen dieser Antwort sage ich dir: Geh nach Hause! Der Dämon hat deine Tochter verlassen.«

Ob es das ist, was Jesus mit seiner schroffen Antwort bezweckt hat? Dass er die Frau dazu herausfordert, zu ihren Bitten zu stehen, klar und selbstbewusst zu sein? Über Grenzen zu gehen und Jesus das Unmögliche zuzutrauen?

Sie hat gemerkt, dass sie es wert ist, dass ihr geholfen wird, egal, welchen Status sie hat. Sie hat erlebt, dass Jesus sich kümmert, auch, wenn sie nicht wirklich dazu gehört. Sie hat erfahren, dass Jesus sich bitten lässt, ohne nach Schuld, familiärem Hintergrund und Etikette zu fragen. Sie merkte: Ich habe es verdient, dass Jesus mir hilft!

Was für eine grandiose Geschichte von damals für heute. Amen

Gott senke seine Güte und Treue (Psalm 57,4)

von Katja Demma'Indo, aus der Donnerstagsandacht

Gott hat sich selbst nicht unbezeugt gelassen, hat viel Gutes getan und euch vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gegeben, hat euch ernährt und eure Herzen mit Freude erfüllt. Apostelgeschichte 14, 17

Was tun wir, wenn wir uns missverstanden fühlen? Wie reagieren wir, wenn unsere Worte falsch verstanden werden? Wie fühlen wir uns, wenn unser Gegenüber nicht versteht, was wir eigentlich meinen? Weitere Überzeugungsarbeit ist eine Methode, um das Eigentliche doch noch rüberzubringen. Das ist die Strategie von Paulus bei Menschen, die ihn hören, aber seine Worte nicht verstehen. Zumindest nicht so, wie er sich das vorstellt. Er ringt darum, dass die Menschen das Wort Gottes richtig verstehen und nicht ihn und Barnabar zu heldenhaften Göttern stilisieren. Doch es gelingt nicht. Häufif überwiegt die Erfahrung, dass das, was ich tatsächlich meine, nicht so ankommt, wie ich es mir wünsche. Dann werde ich unleidig, verzweifelt, ärgerlich, ratlos, resignier. Ich fühle mich ohnmächtig, unverstanden, frustriert und ziehe mich wohlmöglich zurück, so wie David Zuflucht suchte in einer Höhle. Dort, in der Stille, in der Einsamkeit, in der Gegenwart Gottes, kann die Einsicht entstehen: Nicht auf meine Worte kommt es an, sondern auf die Güte Gottes. Nicht ich allein kämpfe um das Richtige, sondern Gottes Treue wird sich auf Dauer durchsetzen.

Gott, hilf uns glauben, dass du treu bist und dass unser vermeintliches Versagen ein Segen sein kann.

 

nach Hause kommen (Lukas 19)

von Cori Wiegand, aus der Donnerstagsandacht

Wir haben Corona und waren teilweise lange Zuhause… Wir im Kreis Gütersloh immer noch, ohne negativen Test… (Stand 2.7.2020)

Was ist eigentlich mein Zuhause? Wir sind jetzt hier in Bokel zuhause. Mein „altes“ Zuhause bei meinen Eltern, wird auch immer mein Zuhause sein. Zuhause, kann ich sein, wie ich bin. Ich muß mich nicht verstellen. Zuhause kann ich Quatsch machen, albern sein. Aber auch niedergeschlagen und traurig. Ich kann hinter mir die Tür zu machen und die Welt da draußen aussperren- natürlich nicht für immer, das wird gefährlich, aber manchmal tut das ganz gut.  Unsere Kinder können/sollen und dürfen sich Zuhause geborgen fühlen. Da darf auch mal laut gesungen, gespielt, gelacht aber auch gemeckert werden (wobei im Moment, nachdem sie gut 3 Monate zuhause sind…). Zuhause ist das Haus, das mich auch vor dem Unwetter draußen beschützt, im Winter kann ich heizen und habe es muckelig warm. Im Sommer ist es im Haus auch kühler, als draußen (außer ich habe eine Dachwohnung...)

Ich bin in meinem Leben schon öfter umgezogen, hier eine kleine Übersicht:

▪          1. 1976 (noch im Bauch) von Halle nach Heigenbrücken (Unterfranken/Spessart)

▪          2. 1978  nach Fürstenfeldbruck (Nähe München)

▪          3. 1986 zurück nach Halle (für mich war das kein  „Zurück“)

▪          4. 1999 erste eigene Wohnung in Halle

▪          5. 2000-2002  Ausbildung im MBK, Bad Salzuflen

▪          6. 2002-2004 Steinhagen

▪          7. 2004-2009 Falkenhagen (Lügde, tiefstes Lippe)

▪          8. 2009-2012 Werther

▪          9. 2013 bis jetzt Halle-Bokel

An all diesen Orten, war ich Zuhause. Ich kann mich an alle Häuser/Wohnungen (bis auf das erste) erinnern, aber sind es wirklich die Gebäude, die mein Zuhause ausmachen?

Wir waren letztes Jahr in Bayern im Urlaub und ich wollte unbedingt einen Tag nach FFB (Fürstenfeldbruck) fahren, mein „altes“ Zuhause wieder sehen und es auch meiner jetzt eigenen Familie zeigen. In meiner Erinnerung war es dort wunderschön, es waren ja auch die Erinnerungen, an mein erstes bewusst erlebtes Zuhause, das prägt total und wurde in meiner Erinnerung natürlich idealisiert. Ich war total aufgeregt, als wir in die Straße, in der wir gewohnt haben, einbogen. So sind wir, die kleine Straße der Reihenhaussiedlung langgegangen und direkt neben dem Haus, in dem ich gewohnt hatte, traf ich unsere alten Nachbarn, die Eltern meiner damals besten Freundinnen, das war sehr emotional und wunderschön. Aber irgendwie hat mich der Besuch doch ernüchtert, alles war natürlich nach über 30 Jahren gealtert (inkl. Mir!), der Spielplatz, der zur Reihenhaussiedlung gehörte, seit Jahren überwuchert. Die Wiese hinter den Gärten ist seit ein paar Jahren Lagerplatz für Strassenbaufirmen. Überall Container, Kies, Schutt usw. Das alte Haus (in das ich kurz hineindurfte) gehört jetzt anderen, deren Möbel stehen darin. Auch die Umgebung hat sich verändert, Spielplätze, auf denen ich gespielt habe, weg, da stehen jetzt Mehrfamilienhäuser und Parkplätze.

Silvester 1994/95 (oder so) lernte ich den MBK -Berghof kennen und lieben. Ich wurde bald selbst Teammitglied und der Berghof ein Zuhause für mich. Ich habe ja auch meine Ausbildung zur Gemeindepädagogin im MBK gemacht. Der Berghof war weg, auch ich hatte kaum noch Kontakt zum MBK, bis die „MBK-Freizeiten für alle“ kamen. Ich spürte bei den Begegnungen, Bibelarbeiten, Andachten - mein Zuhause, den Berghof, gibt es noch- es ist nicht nur der Ort, es sind die Menschen und geliebte Rituale, die ihn ausmachen.

Und das ist doch auch Zuhause. Mein Zuhause, ist nicht nur das Haus, in dem ich lebe, mein Zuhause, ist meine Familie. Bei meinen ganzen Umzügen, ist meine Familie immer dabei gewesen, erst meine Herkunftsfamilie, jetzt meine eigene. Da, wo ich immer zuhause war, bin und sein werde, ist bei Gott, denn der hat mich immer begleitet und hört damit nicht auf.

Wie in der Geschichte vom verlorenen Sohn, die ihr ja alle kennt. Der Sohn wollte etwas erleben, Zuhause war voller Arbeit und vielleicht zu normal. Er wollte in die Welt hinaus, so lässt er sich sein Erbe ausbezahlen. Er geht ins Ausland, gibt das Geld mit vollen Händen aus, Und schnell ist die Kasse leer und die (falschen) Freunde weg. Eine Hungersnot bricht aus, was die besch... Situation noch erschwert. Er findet einen Job bei einem Schweinehirten, muß bei den Schweinen schlafen und darf noch nicht mal das Futter der Schweine anrühren, ganz schön tief gesunken. Man muß auch bedenken, er war Jude und Schweine für die Juden unreine Tiere. Also er war echt tief gesunken... Trotzdem bettelt er, dort bleiben zu dürfen...! Je weiter er sich von seinem Vater entfernt hatte, umso schlechter ging es ihm... vielleicht wird ihm das jetzt bewusst. Er besinnt sich und will nur noch nach Hause, wenn nicht als Sohn, denn das Recht hat er nicht mehr, dann will er auf der untersten Stufe, wenigstens zuhause sein und für seinen Vater arbeiten.  Doch als er nach dem beschwerlichen Weg, halb verhungert und nach Schweinen und sonst noch was stinkend nach Hause kommt, steht da sein Vater, mit offenen Armen, läuft ihm, ihm der soviel Mist gebaut hat, entgegen und umarmt ihn! Er hat ihn vermisst, täglich gewartet, dass er wiederkommt. In der Bibel steht nicht, wie der Sohn reagiert, ich stelle mir vor, dass er erschöpft und komplett überwältigt von der Situation ist! Der Vater lässt ihn besonders festlich einkleiden, steckt ihm einen Ring an (das war damals wichtig, um Verträge abschliessen zu können, er ist damit wieder geschäftsfähig) und lässt sogar das Mastkalb schlachten, in einer Zeit, in der man nicht jeden Tag Fleisch essen konnte, eine besondere Ehre! Das Fest ist in vollem Gange, als der ältere Bruder vom Feld kommt und überhaupt nicht verstehen kann, warum der Vater den Bruder, der sich so dermassen daneben benommen hat, nicht nur wieder aufnimmt, sondern auch gleich noch ne Riesenparty für ihn schmeißt. Sein Vater antwortet ihm nur „Dein Bruder war tot, er war verloren- jetzt ist er wieder da, er ist gefunden, er lebt!“ Was muß er ihn vermisst haben! Natürlich ist Gott für mich der Vater, bei dem ich Zuhause sein kann, der jeden so aufnimmt, wie er ist und vergibt, wie es eben nur eine Mutter oder ein Vater kann. Und wie hat der Vater in der Geschichte vergeben? Da gibt es keine Vorwürfe, keine Wut, da ist einfach nur Vergebung und Liebe, ganz viel Liebe!

Nach Hause kommen, heißt auch bei Gott ankommen! Zuhause kann ich so sein, wie ich bin und muss mich nicht verstellen, vor Gott muss ich mich auch nicht verstellen. Er kennt mich sowieso in und auswendig!

Ich war als Jugendliche in der Gemeinde aktiv, später auf dem Berghof, im MBK. Ich habe in Gemeinden gearbeitet, dann kamen die Kinder, wir zogen um und Gott rutschte irgendwie in den Hintergrund, er war nie ganz weg, für mich aber weiter weg. Dann kam der Pastor unserer Gemeinde und fragte, ob ich wieder im anderen Gottesdienst mitmachen möchte (10 Jahre war ich da nicht mehr dabei gewesen). Später fuhren wir auf die erste MBK-für-alle-Freizeit und da war es wieder mein Zuhause! Mein Zuhause bei Gott und mein Zuhause bei euch in dieser großartigen MBK-Gemeinschaft.

Dafür bin ich unglaublich dankbar.

Das folgende Lied ist eins meiner Lieblingslieder der Connection. Die meisten von euch kennen ja noch Micha Keding. Micha hat es geschrieben, als er selbst mit seiner Familie umgezogen ist, in ein eigenes Haus. Er vergleicht es mit dem Haus, das Gott für uns hat, in dem wir feiern und auch traurig sein dürfen. So wie es seine Kinder in seinem Haus dürfen. Besonders liebe ich die letzte Strophe, in der es heißt: „To my father's house, I will ride, when I die.“ Wenn ich sterbe fahre ich zum Haus meines Vaters, komme ich zurück nach Hause, zu Gott. Dann darf ich für immer dortbleiben. Sehr tröstlich.

Hier ist das Lied: https://youtu.be/hY7HktVlcfc

Bleiben! (Johannes 15,7)

von Katja Demma'Indo, aus der Jugendteam-Infomail

Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben,werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Johannes 15,7

Bleiben! Was löst dieses Wort in dir aus? Sicherheit? Beständigkeit? Ruhe? Oder: Eintönigkeit? Langeweile? Stillstand? Wie ist das Leben mit Jesus für dich? Sicher, beständig, ruhig? Oder: Eintönig, langweilig, stillstehend? Wie schnell kann Sicherheit, Beständigkeit udn Ruhe zu Eintönigkeit, Langweile und Stillstand führen? Wer schon länger mit Jesus unterwegs ist, weiß davon möglicherweise ein Lied zu singen. Da ist der Zauber des Anfangs der Routine des Alltags gewichen. Biblische Geschichten sind altbekannt und berühren nicht mehr das Herz. Das Wunder des Glaubens ist zur Normalität geworden. Die Gemeinschaft mit Gott gehört selbstverständlich dazu. Was verhilft zum Zauber des Anfangs? Bleiben und bitten! Und dann gespannt abwarten, was passiert. Welche Wunder des Glaubens geschehen. Welche Aufregungen in der Gottesgemeinschaft uns wachhalten. Welche neuen Wege Jesus zeigt, die uns aus unserer Komfortzone locken. Denn in ihm bleiben macht mutig, Neues zu wagen, weil wir in aller Veränderung bei ihm sicher und geborgen sind. In ihm bleiben heißt, sich zu bewegen, sich nicht zufrieden zu geben, mit dem, was schon da ist. In ihm bleiben bedeutet, wach zu sein für die Überraschungen, die uns im Glauben widerfahren. Ich bin gespannt, was passieren wir im MBK, in deinem Leben und in meinem!

Ich habe keine Zeit!

von Mareike Hauer, aus der Jugendteam-Infomail


Das ist ein Satz, der mich in meinem Leben ziemlich häufig begleitet. Ständig hetze ich von einem Termin zum Nächsten, muss meine Tage, Wochen und Monate fast minütlich genau planen und dennoch passiert es mir regelmäßig, dass ich Termine verschwitze oder sie doppelt liegen. Wenn ich meinen digitalen, datenfressenden und mich gläsern machenden Handykalender nicht hätte (ja ich weiß, Google ist nicht nur dein Freund), dann wäre ich heillos aufgeschmissen. Der erinnert mich früh genug an meine Termine und ich kann ihn nicht so einfach zuhause vergessen. Andererseits hält er mir auch jederzeit vor, was eigentlich noch alles so zu erledigen ist.  
 
Ich habe keine Zeit! In meinem Prüfungsstress hätte ich auch diesen Impuls vergessen, wäre ich nicht daran erinnert worden (und diesmal nicht von Google). Und so dachte ich, mache ich ein bisschen Selbsttherapie und mache mein Problem zum Thema: Hallo ich bin Mareike und ich habe nie Zeit! Beim so darüber nachdenken, warum ich denn keine Zeit habe bzw. warum der Tag denn nur 24 Stunden hat, ist mir aufgefallen, dass ich die ganze Zeit sehr passiv von meiner Zeit spreche. Ein bisschen so als könnte ich gar nicht über sie selber verfügen. Ich glaube auch, dass wir niemals über unsere gesamte Zeit verfügen können. Wann was geschieht, wie viel Lebenszeit uns bleibt und so weiter, aber ich glaube wir können die Zeit unseres Alltags bestimmen. Ich kann mir aussuchen, ob ich mich mit Freunden auf einen Kaffee treffe oder ein Buch lese oder für Schule und Uni lerne… natürlich wäre das Lernen wahrscheinlich am besten, aber wenn ich bereit bin die Konsequenzen zu tragen dann kann ich auch alles andere machen. Es geht also auch um Prioritäten. Wie setze ich meine Prioritäten? Sind die Dinge die mir wirklich wichtig sind ganz oben in meiner Liste? Oder stehen da eher Dinge ich zwar tue und auch mag, die mir aber eigentlich nichts bedeuten? Womit verbringe ich die meiste Zeit?
 
Ich habe keine Zeit! Ich nehme mir Zeit! Ich glaube es ist wichtig, dass wir uns immer wieder diese Fragen stellen: Macht uns unser Alltag glücklich? Sind wir zufrieden? Geht es uns gut? Und na klar ist nicht immer alles Friede, Freude, Mettbrötchen, aber ich finde es einen sehr lohnenswerten Anspruch, einen Großteil seines Alltags ganz zufrieden damit zu sein. Beim Durchschauen meines Kalenders war ich ziemlich zufrieden, es war nur alles einfach sehr voll. Also habe ich mir einen Vorsatz gemacht. Vielleicht schaffe ich es nicht von jetzt auf gleich, dass meine Termine weniger werden, das kann sein. Aber ich speichere mir in mein Handy nun zusätzlich bewusst Pausen ein. Einen Mittagsschlaf, eine Tasse Kaffee im Café trinken, ein Kapitel vom Buch lesen, Zeit mit Gott verbringen, einfach mal nichts tun.  Denn Pausen sind wichtig. Schließlich hat auch Gott am siebten Tag einfach mal Pause gemacht, sich seine Schöpfung angeguckt und war zufrieden.

"Jesus Christus spricht: Wachet!" (Markus 13,37)

von Kristin Büker, aus der Jugendteam-Infomail

So lautet der Monatsspruch für diesen März. Sehr kurz und prägnant, aber mal ehrlich, ohne Kontext ist es nicht gerade aufschlussreich. Also habe ich mal nachgesehen, der Satz steht am Schluss einer Passage über alle möglichen Endzeitschrecken. Jesus meint, wir sollen wachsam sein, "damit er euch nicht schlafend finde, wenn er plötzlich kommt." (Mk 13,36). Ein Weckruf also.
Jetzt muss ich gestehen, dass ich mit Endzeitstimmung und Apokalypse-Panik wenig anfangen kann. Aber "wachsam sein" und "nicht schlafen", das hat gerade einen sehr aktuellen Bezug für mich. Mich hat dieses "Wachet" sofort sehr getroffen, wenn auch in einem völlig anderen Kontext. Wir erleben einen "Weckruf" nach dem anderen und trotzdem habe ich das Gefühl, dass unsere Gesellschaft noch immer schläft:
11 Menschen sterben in Hanau, weil sich Hass und Rassismus immer weiter ausbreiten. Ich weiß nicht, wie oft ich durch das kleine Städtchen Volkmarsen gefahren bin, in dem an Fastnacht ein Mann mit seinem Auto über 50 Menschen verletzt hat. Parteien verfransen sich in Machtspielen, statt nach soliden Mehrheiten und konstruktiven Lösungen zu suchen, zuletzt in Thüringen. Es folgt das immer das gleiche Trauerspiel: Ein kurzer Moment der medialen Empörung und dann schläft alles wieder ein. Ganz zu schweigen von den vielen humanitären Katastrophen, die man uns gar nicht mehr zeigt. Wen interessiert schon das Massensterben im Jemenkrieg, sind ja keine "Weißen" betroffen, da filmen wir lieber australische Farmer, die gegen Waldbrände kämpfen. Das ist auch schlimm, gewiss, aber habt ihr in den Medien auch nur einen einzigen Aborigine gesehen?
Mich frustriert das. Und gleichzeitig merke ich, wie schwer es ist, selbst nicht genauso verschlafen zu sein, nicht abzustumpfen. So symbolisch wertvoll Mahnwachen und Co. sein mögen, so scheinen sie die Realität nicht zu verändern. Ich fühle mich im wahrsten Sinne des Wortes machtlos, hilflos. Und all das will so gar nicht zu dem gleichzeitig gerne propagierten "chistlichen Abendland" passen, schießen mir da doch spontan Sätze in den Kopf wie "Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan." (Mt. 25, 40).
Gerne würde ich mit einer Lösung schließen, die habe ich nur leider nicht. Aber aufwachen wäre sicher schonmal ein guter Anfang. Und aufpassen, wo in meinem persönlichen Umfeld Dinge geschehen, gegen die ich aufstehen muss. Nicht weghören, wenn die Jungs in der Straßenbahn sich über die asiatisch aussehenden Mitbürger lustig machen oder der facebook-Kontakt AfD-Inhalte teilt. Ich möchte wachsamer sein, damit ich mich nicht irgendwann fragen lassen muss - sei es von Mitmenschen, meinem Gewissen oder wie in der Losung von Jesus - warum ich geschlafen habe.